Schulen 2020

Vor einigen Wochen schon habe ich hier über die Entwicklung von Theorieunterricht im Zuge von „Corona Schließungen“ geschrieben. Einige Fahrschulen haben ihre Schüler, als die Räume geschlossen wurden mit ihren Lernmaterialien alleine gelassen, weil sie keine Möglichkeiten sahen sie online zu betreuen. Das ich eines Tages von einer Schule berichte, die von digitaler Schülerbetreuung zurück zur analogen umstellt, hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht. Heute ist es dann soweit. Diese Woche teilte die Lehrerin meiner Tochter ihr mit, dass sie die „Corona Aufgaben“ nicht mehr per Mail zurücksenden soll, da es nur Feedback zu analog übermittelten Unterlagen gibt.

 

Ein kurzer Abriss der bisherigen Geschehnisse. Die Schulschließung am 16.3. kam für unsere Lehrerin nicht so überraschend. Sie gab den Kindern am 13.3. bereits alle Unterlagen, Arbeitshefte, Schulbücher mit nach Hause. So waren wir vorbereitet, als am 16.03. die erste Mail mit Wochenplänen und Aufgaben für die nächsten drei Wochen bis zu den Ferien kamen. Täglich sollten von nun an drei Stunden Arbeitsblätter von den Schülern bearbeitet werden. Die Lehrerin kontrollierte die Erledigung dieser mittels eines Wochenplanes, den die Kinder unterschrieben per Mail zurücksendeten. Zusätzlich kam in der letzten Woche vor den Ferien ein Mathe- und Deutschtest per Mail, den wir auch auf diesem Weg wieder abgegeben haben. Soweit so gut. Jeden Tag Arbeitsblätter abarbeiten war auf Dauer für meine Tochter zwar ein wenig ermüdend und die soziale Komponente des Lernens blieb komplett auf der Strecke, aber für einen spontanen Plan der Lehrer war das schon in Ordnung. Bald waren ja Ferien und danach gibt’s bestimmt auch alternative Angebote.

Und wir sollten recht behalten. Das alternative Programm nach den Ferien startete direkt am ersten Schultag mit dem Abholen von Arbeitsblättern in der Schule. Von 9 bis 11 Uhr wurden alle eingeladen in den Klassenraum zu kommen und sich den Wochenplan und die Arbeitsblätter abzuholen. Es gab genaue Anweisungen wie Mundschutz, Eingang und Ausgang getrennt, nur 2 Familien gleichzeitig in der Klasse etc. Ich ging also Montags um 9 Uhr mit Mundschutz, Knopf im Ohr (online Meeting lief ja weiter) und einem mulmigen Gefühl im Bauch in die Schule. Auf dem Pausenhof begrüßte mich bereits eine Gruppe freudiger Grundschüler, die gemeinsam vor der Schultür standen (ohne Abstand). Rein ins Gebäude und Treppe hoch. Auf der Treppe dann ein Vater mit seiner Tochter, natürlich ohne Mundschutz. Und die Treppe ist keine 1,50m breit. Daher sollte es ja auch einen getrennten Eingang/Ausgang geben. So ohne Beschilderung aber vor Ort auch nicht zu erkennen. Unterlagen geholt und schnell wieder ab nach Hause. Anscheinend hatte sich über die Ferien herausgestellt, dass nicht alle Eltern einen Drucker haben und daher das Angebot die Unterlagen abzuholen angeboten. Von da an sollten sie Eltern dann jeden Sonntag (!) zwischen 17 und 18.30 Uhr in die Schule kommen, um ausgefüllte Arbeitsblätter gegen leere zu tauschen.

Und bitte versteht mich nicht falsch: Als Angebot für Menschen ohne Drucker absolut okay. Da wir einen Drucker besitzen,fragte ich per Mail nach, ob die Sachen auch weiterhin digital ausgetauscht werden könnten. Und diese Chance nutze ich auch gleich, um nach Alternativen Angeboten zum Arbeitsblätter ausfüllen zu fragen. In der Zwischenzeit hatte ich auch von Schulen gehört, an denen Lehrer hingegangen sind und ausrangierte, noch funktionstüchtige Tablets und Laptops für Schüler gesammelt haben um alle damit zu versorgen. So wird es für alle möglich gemacht ab und an an einem online Meeting teilzunehmen oder auch nur ein Lernvideo der Lehrer anzuschauen. Die soziale Komponente des Lernens und vor allem auch die Abwechslung würde den Kindern sicherlich gut tun. Diese Idee habe ich dann als Elternbeiräten mit den anderen Elternbeiräten, der Lehrerin und der Schulleitung geteilt. Viele Eltern antworteten sofort und boten sofort ungefragt Laptops, Tablets etc. an. Die Antwort der Schulleitung bereitete dem aber ein direktes Ende: „… mit Verwunderung habe ich ihre eMail zur Kenntnis genommen. Die digitale Ausstattung der Schule haben wir nicht zu vertreten und auf die digitale Ausstattung der Schulkinder keinen Einfluss….“ Der letzte Satz der eMail „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich mit dieser Email Ihre Anfrage als erledigt sehe.“ beendete das Thema dann auch. Immerhin gab es die Information „Frau xxx bietet Ihnen weiterhin an, über die Cloud die Arbeitsblätter, den Wochenplan und die Lösungen zu bekommen. Entscheiden Sie, ob Sie zusätzlich analog die Rückmeldung über das Arbeitsmaterial erhalten möchten.“ Nun fragte ich mich, ob meine Tochter, wenn wir die Unterlagen nicht analog austauschen keine Rückmeldung zu ihren Aufgaben bekommt.

Überall wird von der Angst berichtet, Schüler nicht mehr zu erreichen und keine Rückmeldungen von ihnen zu erhalten. Und nun teilt uns die Lehrerin auch noch einmal in einer separaten Mail mit, dass es nur Rückmeldungen gibt, sofern meine Tochter die Unterlagen in analoger Form abgibt. Sie möchte schließlich nicht alles ausdrucken. Nun tun sich mir ein paar Fragen auf: Muss man für Feedback zu digital zugesendete Unterlagen diese auszudrucken? Sollte man, weil einige wenige keine Möglichkeit haben digitale Materialien an die Kinder zu verteilen, alle auf analog zurückstufen? Welche Motivation wird meine Tochter bei der Bearbeitung der Aufgaben in den nächsten Wochen noch an den Tag legen, wenn sie keinerlei Feedback seitens der Lehrerin erhält?

Wir haben nun für uns folgende Lösung gefunden: Seit über einer Woche baut meine Tochter an einem eBook über Idstein für den Sachunterricht. Sie fährt mit dem Fahrrad los, macht Fotos, tippt schlecht eingescannte Arbeitsblätter ab, malt am iPad mit Stift stundenlang das „Idstein Wappen“ aus u.v.m. Sie ist also nun motiviert. Am Ende wird sie es dann wohl mit ein paar Freunden und der Familie teilen. Dann bekommt sie auch Feedback. Als nächstes versuchen wir uns dann mal an einem StopMotion Video. Das habe auch ich noch nicht gemacht.

Bei den Fahrschulen habe ich wochenlang gegen Windmühlen gekämpft und versucht den Leuten zu zeigen, dass es auch möglich ist, online den Schülern guten Unterricht zu bieten. Heute, keine 4 Wochen später, grinse ich jeden Tag in mich herein, wenn ich sehe, dass wieder einer der absoluten „online Gegner“ mit online Unterricht wirbt.

In diesem Sinne bleibt gesund und macht euch weiterhin die Welt, wie sie euch gefällt :-)