Probleme bewundern oder Lösungen suchen

Alles eine Sache der Einstellung. In den letzten Tagen sind mir viele Leute mit Schildern vor den Augen begegnet. Auf denen stehen Dinge wie "Das geht sowieso nicht!", "Online kann ich nur Frontalunterricht machen!", "online Unterricht ist verboten!", "Online kann ich die Schüler nicht miteinbeziehen!", "Gemeinsames erarbeiten geht nur im Unterrichtsraum!" oder "Lernspiele gehen nur vor Ort!". Und ja: man kann sich wunderbar hinter solchen Schildern verstecken. Man kann aber auch mal auf die andere Seite schauen und da befindet sich unser Kopf. Wenn wir den aktiv mit der Suche nach Lösungen bemühen, dann werden wir sie auch finden. Wir haben mal hinter die Schilder geschaut. Lest nun selbst was wir da gefunden haben.

"Das geht sowieso nicht!"

Eines meiner Lieblingsschilder. Menschen mit diesem Schild, hat man übrigens auch schon vor Corona häufiger getroffen. Da habe ich sie allerdings einfach ignoriert. Denn wer nicht will... Allerdings haben sie nun ein zusätzliches Schild auf dem steht "wir werden alle untergehen". Das weckt in mir dann den Helferinstinkt. Bitte schnell wegräumen die beiden Schilder und durch "wir müssen mal schauen wie das geht" und "solange ich noch oben bin, höre ich nicht auf zu schwimmen" ersetzen. Denn nur so macht es Sinn hier noch weiterzulesen.


"Online kann ich nur Frontalunterricht machen!" & "Online kann ich die Schüler nicht miteinbeziehen!"

Hier nun eines vorweg: Wer vor Ort nur Frontalunterricht kann, der wird es nun online kein Feuerwerk des interaktiven Unterrichts zaubern. Wenn man sich aber auf die Suche begibt, findet man schnell viele webtools, die sich damit beschäftigen online Unterricht interaktiv zu machen. "Kahoot" zum Beispiel lässt einen Umfragen und Quizzes erstellen, die jeder an seinem Endgerät bearbeiten kann und gemeinsam besprochen werden. Und das ist nur eines von über 30 webtools, die mir bei meiner Suche begegnet sind. Auch Zurufsammlungen lassen sich online wunderbar durchführen. Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass anonym sogar deutlich mehr zusammen kommt.


"Online Unterricht ist verboten!"

Verboten war er noch nie. Wir machen ihn schon seit einigen Jahren immer mal wieder als Zusatzangebot z.B. wenn wir Schüler haben, die Hilfestellungen bei den Führerscheinfragen benötigen, aber unter der Woche weit weg im Internat etc. sind. Online Unterricht ersetzt nur den Präsenzunterricht nicht. Dieser ist in den Fahrschulen vorgeschrieben. Hat auch durchaus seine Berechtigung. Denn gewisse Dinge wie z.B. das "Erleben von Abstand" lässt sich einfach vor Ort besser durchführen. In Corona Zeiten gibt es vom Bundesministerium schon die Aussage, dass wohl nichts gegen eine temporäre Befreiuung von Präsenzunterricht spricht. Einige Bundesländer haben hier auch schon ihr okay gegeben und werden den online Unterricht auf die Prsäenzunterrichte anrechnen. Ich bin mir sicher, dass es in Hessen auch bald soweit ist. Und wenn nicht bin ich auch sicher, dass uns noch spannende Themen für den Präsenzunterricht einfallen werden und die Schüler nur einen Zusatznutzen davon haben beides zu besuchen.


"Gemeinsames erarbeiten von Flipcharts geht nur im Unterrichtsraum!"

Das stimmt in Ansätzen. Aber wenn man das Wort Flipcharts durch eine umweltfreundliche Variante ersetzt, so entstehen plötzlich unzählige Möglichkeiten. Als nur eines von ganz vielen webtools kann ich hier "padlet" empfehlen. Es macht eure Dokumente interaktiv und ganz viele können gemeinsam daran arbeiten.


"Lernspiele gehen nur vor Ort!"

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, nutzen wir seit letztem Jahr in der Fahrschule ein interaktives Board von SMART. Beim Kauf bekommt man eine Software SMART Notebook. Mit dieser kann man Unterrichte für das Board erstellen u.a. auch eine Menge verschiedener Lernspiele. Und was Viele nicht wissen: Das geht auch alles online. Die Schüler spielen von zu Hause aus einzeln oder in Teams gegeneinander. Gerade zur Überprüfung des Lernstoffs macht das eine Menge Spaß. Lukas, Sabine, Dietbert und ich freuen uns täglich was hier alles geht. Denn auch wir haben hier noch lange nicht ausgelernt. Zum Glück gibt es in Amerika Schulen, die damit schon lange arbeiten. Daher sind auch viele tolle Beispiele gratis im Internt verfügbar. Oftmals nur in englisch und bezieht sich auf Schulstoff. Aber ein bisschen arbeiten kann man ja noch selbst. Vor allem in Corona Zeiten, wo praktische Fahrstunden eh erst einmal ausfallen. Das Beste an der Sache: Vieles von dem was wir nun erstellen, können wir danach auch im Unterrichtsraum wieder nutzen. Wir arbeiten also nur vor.

In diesem Sinne muss ich nun auch mal schnell wieder weitermachen. Denn ich habe nie gesagt, dass es keine Arbeit ist: Aber auf Dauer kann auch das "Hochhalten von Schildern" durchaus anstregend werden.

Daher legt los. Schaut hinter die Schilder und sucht nach Lösungen!