"Motorrad" fahren ohne Führerschein ist lebensgefährlich

So oder so ähnlich schreit gerade ein Teil der Fahrlehrerschaft auf, seit der Bundesrat dem Gesetzvorschlag zugestimmt hat. "Motorräder" der bisherigen Kl. A1 (davor 1b) sollen für Autofahrer ohne theoretische und praktische Prüfung gefahren werden dürfen. Es handelt sich dann um die Schlüsselzahl 196 ähnlich dem B mit Schlüsselzahl 96 für das Fahren mit Anhänger. Die Fakten und meine Meinung dazu, möchte ich euch hier näher bringen.

 

 

Erst einmal die Fakten. Bei den Motorrädern von denen hier die Rede ist, geht es um Fahrzeuge der Kl.A1 bzw. den "125-er". Konkret geht es um Leichtkrafträder mit einem Hubraum von 125ccm und einer Nennleistung von 11kW, deren Verhältnis Leistung/Leermasse max. 0,1kW/kg beträgt. Diese Fahrerlaubnisklasse darf aktuell mit 16 Jahren erworben werden. Die Kids wollen gerne "richtige" Motorräder, daher sind in den letzten Jahren immer mehr Fahrzeuge auf den Markt gekommen, die aussehen wie kleine Motorräder. Alle, die vor dem 01.04.1980 den Autoführerschein (damals Kl. 3) erworben haben, durften diese Fahrzeuge übrigens ohne jegliche Zusatzschulung fahren. Danach war ein extra Führerschein mit theoretischer und praktischer Ausbildung notwendig. Erst hieß dieser 1b und heute ist die Führerscheinklasse A1.

Wer macht den A1? Hier trifft man auf 16-jährige, die eine Begeisterung für das Zweirradfahren als solches mitbringen oder zumindest damit weitere Strecken zurücklegen möchten. Diejenigen, die einfach nur von A nach B möchten, machen mit 15 Jahren eine Mofa Prüfbescheinigung (nur vereinfachte theoretische Prüfung und 2 Pflichtfahrstunden). Oder aber sie warten bis sie 17 Jahre alt werden, nehmen am begleitenden Fahren mit 17 teil und dürfen mit diesem Autoführerschein auch Kl. AM Roller bis zu 45km/h fahren. Ohne Begleiter und auch ohne extra Ausbildung und Prüfung!

Die Kl. A1 Ausbildung für unsere 16-jährigen Motorradbegeisterten beginnt mit der Antragstellung bei der Fahrerlaubnisbehörde, beinhaltet Pflichtstunden in Theorie und Praxis und neben der theoretischen auch eine praktische Prüfung. Man muss bedenken, dass hier 16-jährige ans Steuer möchten, die noch null Erfahrung im Straßenverkehr haben. Daher eine Vorgehensweise, die durchaus ihre Berechtigung hat. Diese Führerscheinklasse wird es auch weiter geben und wird sicherlich auch weiterhin in Anspruch genommen werden. Zumal dadurch später ein vereinfachter Erwerb weiterer Zweiradklassen möglich ist.

Nun gibt es aber in den letzten Jahren vermehrt "Erwachsene", die im Laufe ihrer Karriere als Autofahrer mit Parkplatzproblemen etc. kämpfen und sich einen "Roller" zulegen. Bis 45km/h ja auch mit dem Autoführerschein möglich. Wer schon einmal durch Frankfurt mit max. 45km/h gefahren ist (wir Fahrschulen machen das häufiger), der weiss wie sich das anfühlt. Wenn man dann noch von einem Ort in den nächsten mit max. 45km/h möchte, verliert man schnell die Begeisterung fürs Roller fahren. Bisher war es dann häufig so, dass viele Leute entweder wieder zum Auto zurückgekehrt sind oder aber sich in Fahrschulen nach einem A1 Führerschein erkundigt haben. Sie finden sich dann inmitten von Motorradbegeisterten auf einem Motorrad wieder, dass für sie einfach nur klein und unbequem ist. Dabei wollen sie oftmals nur mit einem Elektroroller fahren, der sie mit mehr als 45km/h sicher von A nach B bringt.

Diesen über 25-jährigen, die seit mind. 5 Jahren den Autoführerschein besitzen, möchte man es nun einfacher machen. Sie sollen nach dem Besuch einer Schulung (mind. 9x90 Minuten mit Theorie und Praxis) die Schlüsselzahl 196 in ihren Führerschein eintragen lassen können. Damit ist dann das Fahren von den A1 Fahrzeugen erlaubt. Achtung: Nicht der vereinfachte Aufstieg zu den anderen Motorradklassen!

Ich bin ein absoluter Freund von Ausbildung ohne Prüfung und auch ein Gegner von Pflichstunden. Wir haben es hier mit Erwachsenen zu tun, die sich durchaus der Gefahren im Straßenverkehr bewusst sind. Es ist an uns Fahrschulen diese Schulungen so anzubieten, dass am Ende der Straßenverkehr sicherer für alle wird. Wir müssen sowohl die passenden Schulungsfahrzeuge als auch die entsprechenden Inhalte anbieten. Einfach nur auf den bisherigen A1 Fahrzeugen Tagesschulungen mit dem Inhalt des bisherigen Motorradunterrichts anzubieten, wird wohl keinen großen Anklang finden. Es ist wieder einmal eine Chance für uns zu zeigen, dass wir - auch ohne die Abnahme von TÜV oder Dekra - sichere Verkehrsteilnehmer ausbilden können.

Ich freue mich darauf in den Innenstädten bald leichter einen Parkplatz zu finden und auch bessere Luft zu atmen. Wieder ein kleiner Stein, der in meinen Augen in die absolut richtige Richtung rollt Und nun darf gerne diskutiert werden.