Immer mehr fallen durch die Führerscheinprüfung: Was tun wir dagegen?

Den ganzen Tag schon bekomme ich Anfragen, ob das auch bei uns so ist und woran es liegen kann. Auch unsere Quoten sind tatsächlich die letzten Jahre minimal schlechter geworden. Allerdings wäre das "Jammern auf hohem Niveau". Denn wir sprechen in der Fahrschule Walter nach wie vor von Bestehensquoten von um die 95% sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Aber auch ich beobachte, dass es den Bewerbern lange nicht mehr so leicht fällt. Sprachbarrieren, mangelndes Interesse am Auto, wenig Erfahrung im Straßenverkehr z.B. mit dem Fahrrad etc. Hier mag Vieles eine Ursache sein. Aber ich halte mich nie lange damit auf zu schauen wieso etwas so ist, sondern suche nach Lösungen es zu ändern.

Na klar waren 1967 die Schüler/-innen meines Opas zum Teil deutlich motivierter einen Führerschein zu bekommen. Es war ja auch noch cool und vor allem ein sehr wichtiges Fortbewegungsmittel. Ausserdem war damals eh alles besser (*zwinker). Dann müssen wir es eben nun wichtig und cool machen. Mein Opa konnte noch Frontalunterricht machen und dabei ein paar Witze erzählen. Die Schüler haben es als lustige Unterhaltung angesehen. Heute aber ist die Zeit der 16-jährigen knapp. Also muss in der Zeit auch was „Sinnvolles“ passieren. Jede Woche zweimal 90 Minuten berieseln lassen ist da eher schlecht. Damit motiviert man niemanden.

 

Theorieunterricht heute muss sowohl zeitlich kompakt gehalten werden, als auch spannend und vor allem muss er was nutzen. Als Fahrschule sehen wir es aber nicht als Problem, sondern als Herausforderung. So stellen wir unser komplettes Ausbildungskonzept immer wieder auf den Kopf. Vor acht Jahren sind wir komplett auf das Kurssystem übergegangen und haben angefangen ausschließlich Ferienkurse anzubieten. So war es zum einen möglich die Pflichtstunden innerhalb von 7 Werktagen zu besuchen und ausserdem kann man bei einer festen Gruppe viel mehr die individuellen Lerngeschwindigkeiten berücksichtigen. Auch heute noch bin ich davon überzeugt, dass das Lernen im festen Kurs deutlich leichter ist, als in wechselnden Gruppen. Es ist auch durchaus möglich die etwas über 1000 Fragen in einer Woche zu lernen und dann die theoretische Prüfung zu bestehen. Hier haben sich nur in den letzten Jahren immer wieder zwei Probleme herausgestellt: 1. wie viel kann von dem theoretischen Wissen wirklich umgesetzt werden 2. was machen wir mit den Schülern/-innen, deren Theorieprüfung nicht direkt nach dem Kurs erfolgen kann (Papiere, Alter etc.). Also auf zu neuen Wegen. Theorie-Intensivkurse werden nach wie vor sehr häufig angefragt. Daher bieten wir diese natürlich auch an. Aber als einen Teil der Ausbildung. Denn was bringt es die Pflichtstunden absolviert zu haben? Damit habe ich noch lange keinen Führerschein und die Motivation danach alleine noch die Fragen zu lernen ist auch sehr gering. Verständlicherweise! 

 

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Leute zu uns kommen, die irgendwann mal irgendwo ihre Pflichtstunden absolviert haben. So einen Kurs kann ich als Fahrschule mal schnell füllen. Alle bezahlen den Grundbetrag und am Besten schon zu Beginn die Vorstellung zur Prüfung. Dann sitzen sie mit 15 anderen eine Woche vor mir und ich erzähle ihnen etwas. Ob da nun 10 oder 20 sitzen ist mir ja egal. Ach. nein. 20 sind besser - verdiene ich mehr. Vielleicht ein wenig überspitzt. Aber ihr wisst worauf ich hinaus möchte. 


Wir haben unser Konzept komplett umgestellt. Wir fangen bei der Planung am Ziel an. Wir schauen wann möchte der Schüler / die Schülerin den Schein in den Händen halten. Von da aus zurück werden ganz viele kleine Meilensteine definiert, die es zu erreichen gilt. Und das kann durchaus auch einmal bedeuten, dass ein Intensivkurs in den Ferien das Richtige für den Schüler ist. Zusätzlich besuchen aber 95% unserer Schüler noch unsere speziellen Fragentrainings, in denen wir gezielt für die theoretische Prüfung trainieren. 

 

Und ganz wichtig: Autofahren ist nicht nur „graue“ Theorie. Wenn ich meinen Schüler nicht während dem Lernen der Theorie auch schon ans Steuer lasse, dann ist das mit der Motivation auch sehr schwierig. Denn schließlich will er am Ende alleine Autofahren und nicht die Regeln kennen. Die Verzahnung von Theorie und Praxis hat daher in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Wir versuchen daher bei der Planung auch mit zu berücksichtigen, dass jeder Schüler/-in parallel zur theoretischen Ausbildung auch in der Praxis so weit ist, dass er zeitnah die Regeln im Fahrzeug „erfahren“ kann. So festigt sich das Gelernte besser, wird viel leichter verstanden und am Ende macht es auch noch Spaß. Das bedeutet natürlich, dass ich in unseren Kursen nur eine begrenzte Anzahl von Leuten aufnehmen kann. Aber es garantiert auch, dass wir Zeit für Fahrstunden haben. Es ist sogar mit einkalkuliert, dass der Schüler entsprechend vor, während und nach der theoretischen Ausbildungen Fahrstunden nimmt. Hier haben wir natürlich ein gewisses Risiko. Wenn der Schüler auf einmal doch die Motivation verliert oder sich sehr schwer tut mit der Theorie, haben wir in der Zeit wo er eigentlich Fahrstunden nehmen sollte einen Fahrlehrer/-in der / die Däumchen dreht. Aber nicht zuletzt das motiviert uns den Schüler zu motivieren.

Und ja, auch wir haben die Anfragen nur nach dem Preis. Und ja, hier beschließen auch einige nicht zu uns zu kommen, weil es ihnen zu teuer erscheint. Aber das ist eben so. Ich sehe es als meine Aufgabe den Kunden und Kundinnen, die zu uns kommen zu unterstützen an ihrem Wunschtermin ihren Führerschein in den Händen zu halten. Das kostet heute ein bisschen mehr meiner Zeit und damit auch ein bisschen mehr von „eurem“ Geld. Aber am Ende sind wir alle glücklich, da das Ziel in der gegebene Zeit erreicht wird. Und das Ganze am Besten noch mit ein bisschen Spaß. Denn unsere Zeit ist kostbar!

Und ob hier nun die Gründe liegen, warum bei uns weniger Leute durchfallen, weiss ich nicht. Aber es ist für uns der richtige Weg!